Petrus Canisius

Petrus Canisius erblickte in Nimwegen, das damals noch zum Deutschen Reich gehörte, am 8. Mai 1521 das Licht der Welt. Gegen den Willen seines Vaters entschloss er sich zum Theologiestudium und kam in Köln mit einem Kreis gelehrter und frommer Priester in enge Verbindung, die sich damals um eine echte Kirchenreform bemühten. Im Mai 1543 hatte er sich der wenige Jahre zuvor gegründeten Gesellschaft Jesu angeschlossen.

Um Canisius bildete sich in Köln die erste Jesuitenniederlassung auf deutschem Boden. Der Bischof von Augsburg berief ihn 1545 als seinen Theologen zum Trienter Konzil, bei dessen Verlegung er mit nach Bologna ging. Von dort wurde er 1547 von Ignatius nach Rom gerufen. Vom Frühjahr 1548 bis Juli 1549 in Messina tätig, bestimmte Ignatius ihn für die Arbeit in Deutschland, wo er als zweiter Apostel Deutschlands nach dem heiligen Bonifatius bekannt wurde. In den folgenden 3 Jahrzehnten war Canisius maßgebend am Neuaufbau der durch die Glaubensspaltung erschütterten deutschen Kirche beteiligt. Er wirkte durch seine Lehr- und Predigttätigkeit für die Rekatholisierung und gewann steigenden Einfluß auf die gesamte kirchliche Lage im Deutschen Reich. Im Juni 1556 wurde er von Ignatius zum ersten Oberen der neugegründeten oberdeutschen Ordensprovinz ernannt, die er bis 1569 leitete.

Als maßgeblicher Gegenreformator war er mit fast allen führenden Vertretern des katholischen Lagers in persönlicher Verbindung. Gleichzeitig Vertrauensmann der kath. Fürsten und der Päpste, wurde Canisius zu den wichtigsten kirchenpolitischen Verhandlungen hinzugezogen. Seine umfangreichen Reformgutachten, in denen er besonders scharf über die Haltung eines großen Teils des Klerus in Deutschland urteilte, eine bessere Auswahl und Ausbildung forderte und auf eine engere Verbindung zwischen Rom und der Kirche in Deutschland drängte, wurden vor allem unter Gregor XIII. mitbestimmend für die von Rom getroffenen Maßnahmen.

Die weiteste Wirkung jedoch hatte Canisus’ schriftstellerisches Werk. Er erstellte die Katechismen in 3 verschiedenen Ausgaben. In ganz Europa und in Übersee gebraucht, wurden die Katechismen noch zu Lebzeiten von Canisius weit über zweihundertmal aufgelegt und in viele Sprachen übertragen. 1580 ging Canisius nach Fribourg in der Schweiz zum Aufbau des dort neugegründeten Kollegs. Bis 1590 war er dort als Prediger und bis wenige Tage vor seinem Tod schriftstellerisch tätig. Am 21. Dezember 1597 schließlich rief der göttliche Herrscher seinen rastlosen Diener zu sich zurück.

Bald nach seinem Tod setzte innerhalb der deutschen Ordensprovinzen, in der Schweiz, in Tirol und im süddeutschen Raum die Verehrung des ersten deutschen Jesuiten ein, der hier vor allem durch seine Katechismen auch beim einfachen Volk in lebendiger Erinnerung geblieben war, so sehr, dass im deutschen Sprachraum bis ins neunzehnte Jahrhundert hinein der Name »Canisius« einfach den Katechismus bezeichnete. Der bald nach seinem Tode begonnene Seligsprechungsprozess wurde durch die zwischenzeitliche Aufhebung des Jesuitenordens unterbrochen und konnte erst 1864 mit der Seligsprechung von Canisius abgeschlossen werden. Canisius wurde 1925 von Papst Pius XI. heiliggesprochen und gleichzeitig zum Kirchenlehrer erhoben. Die sterblichen Überreste des hl. Canisius ruhen in der Michaelskirche zu Fribourg in der Schweiz.